Die Sommer-Dürre ist keine Ausnahme mehr

Zum fachgerechten Grünlandmanagement gehört die kluge Steuerung aller Wachstumsfaktoren. Dabei gilt nach wie vor der Grundsatz, dass derjenige Wachstumsfaktor, der am weitesten vom Bedarf abweicht, das Grünland bestimmt. Ihr könnt so viel Düngen, wie Ihr wollt, wenn z.B. die Wasserversorgung im Mangel ist, dann wird auch der Ertrag des Grünlandes im Mangel sein.

Die liebigsche Tonne visualisiert das Minimumgesetz von Justus von Liebig (1828):
Das Wachstum von Pflanzen wird durch die im Verhältnis knappste Ressource (Wachstumsfaktoren) eingeschränkt.

Da können alle reden wie sie wollen, aber dass die Wasserversorgung der Pflanzen in Deutschland immer öfter ein ernstzunehmendes Problem ist, das ist gesichert. In den Sommermonaten entwickelt sich das Klima, besonders in den östlichen Landesteilen, in Richtung Steppenklima.

Was ist Steppenklima? Ganz korrekt ausgedrückt heißt es kontinentales, arides Klima und bedeutet, dass die Wasserverdunstung insgesamt größer ist, als der Niederschlagsgewinn des Bodens (= negative Wasserbilanz). Dies ist in den Sommermonaten in weiten Teilen Deutschlands mittlerweile der Fall. Da wir aber im Winter noch mehr Niederschlagsgewinn als Verdunstung haben (= humides Klima, also positive Wasserbilanz), wird das derzeitige Klima in Deutschland semiarid genannt (semi = halb).

Deutschland versteppt?

In Deutschland regnet es unterschiedlich viel. Es gibt langjährige Niederschlagstabellen mit über 1000 mm/m2 und nur 500 mm/m2. So regnen sich die feuchten Wolken vor den Bergen ab, um aufsteigen zu können (Alpen, West-Harz, West- Schwarzwald usw.) und auf der Regenschattenseite dieser Berge ist es wesentlich trockener, es hat ja schon davor geregnet. So gibt es Regenschattengebiete in Deutschland, die erheblich trockener sind als regenreiche Gebiete in Deutschland, die im Einflussbereich der feuchten Meeresluft liegen. Welche Jahresniederschläge im langjährigen Mittel gemessen werden, könnt Ihr hier sehen. Zurück zur eigentlichen Frage: Besonders trocken sind z.B. der Ostharz, das Thüringer Becken sowie viele küstenferne Bundesländer, besonders Ostdeutschland. Nach langjährigen Beobachtungen regnet es in Regionen mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen durchschnittlich 530 mm/m2. In den letzten zwei Jahren wurden aber durchschnittlich 200 mm/m2 weniger Niederschlag gemessen. Es gab also durchschnittlich nur noch 330 mm/m2 in den niederschlagsarmen Regionen. Das ist arides Klima und begünstigt eine Steppenvegetation. Bäume können dem Trockenstress nicht mehr standhalten, nehmen Schaden und sterben langsam ab. Nur noch trockenresistente Gräser werden überleben. Ihr müsst wissen, dass übliche mitteleuropäische Bäume durchschnittlich mindestens 500 mm/m2 benötigen. Wenn diese Trend so anhält, und das sagen die meisten Prognosen, dann wird sich Deutschland ganz langsam von einem Wald- zu einem Steppenland wandeln.

Wo gibt es seriöse Zahlen über den Wachstumsfaktor Bodenwasser?

Das renommierte Helmholz- Umweltzentrum in Leipzig hat einen interaktiven Dürremonitor ins Netz gestellt, den Ihr zur Planung Eures Grünlandmanagements gewinnbringend nutzen könnt (solltet).

Der Dürremonitor zeigt Euch tagesaktuell, wie es um den Wachstumsfaktor Wasser steht.

Auf den Deutschlandkarten sehen Ihr den tagesaktuellen Dürrezustand des Gesamtbodens und des Oberbodens, der schneller auf kurzfristige Niederschlagsereignisse reagiert, sowie das pflanzenverfügbare Wasser im Boden. Der wesentliche Wert für Euch ist das pflanzenverfügbare Wasser des Bodens, weil die Pflanze nur an dieses Wasser gelangen kann. Gemessen wird das pflanzenverfügbare Wasser mit der nutzbaren Feldkapazität (0 %nFK = Welkepunkt, < 50 %nFK = beginnender Trockenstress, < 30 %nFK = Trockenstress)

Der wesentliche Wert für Euch ist das pflanzenverfügbare Wasser des Bodens, weil die Pflanze nur an dieses Wasser gelangen kann. Weiterhin wesentlich für die Sommermonate ist der Wasservorrat im Unterboden, weil der auch bei anhaltender Sommerhitze noch Wasser in den Wurzelbereich nachliefern kann. Besonders im Winter ist es wichtig zu beobachten, ob sich der Wasservorrat im Unterboden anreichert. Bei den derartig heißen Sommern mit negativer Wasserbilanz wird das kaum passieren können.

Zusätzlich zu den drei Deutschlandkarten können Ihr auch Karten der einzelnen Bundesländer abrufen und auch herunterladen. Der Dürremonitor ist also ein solides Werkzeug, Euch mit dem Klima Eurer Region auseinanderzusetzen als auch auf Klimaveränderungen zu reagieren. Mittlerweile ein Must und kein Nice to Have mehr bei der Projektarbeit im Bereich Fütterung, Grünlandmanagement, Betriebswirtschaft.

Die neuen Fortbildungsstufen

gültig ab 1.1.2020, veröffentlicht im Berufsbildungsgesetz § 53 und § 54

Die höhenqualifizierende Berufsbildung ist zum 1.1.2020 neu geregelt worden

Mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes BBiG ist die höhenqualifizierende Berufsbildung weitreichend verändert worden. Ziel ist es, die Berufsbildung der Universitätsausbildung anzugleichen. Für Eure Karriereplanung ist es wesentlich, diese Neuordnung zu kennen.

Alles beginnt mit der bekannten Berufsausbildung mit dem Abschluss als Pferdewirt/in. Auf diesen Berufsabschluss baut jetzt die neugeregelte, höhenqualifizierende Berufsbildung auf und organisiert dies in 3 Fortbildungsstufen.

  • Fortbildungsstufe 1: Geprüfter Berufsspezialist, Voraussetzung Berufsabschluss, 400 h Fortbildungsumfang, DQR/EQR 5, Beispiel: Geprüfter Berufsspezialist/in für Tierbesamung* (ehemaliger Besamungswart/in)
  • Fortbildungsstufe 2: Bachelor Professional, Voraussetzung Berufsabschluss und/ oder Abschluss Fortbildungsstufe 1, 1200 h Fortbildungsumfang, DQR/EQR 6, Beispiel: ehemaliger Meister, jetzt Bachelor Professional in Pferdewirtschaft*
  • Fortbildungsstufe 3: Master Professional, Voraussetzung Bachelor Professional, 1600 h Fortbildungsumfang, DQR/EQR 7, Beispiel: Master Professional in Pferdewirtschaft*

* Die kursiv geschriebenen Abschlussnamen sind vermutet, nicht offiziell