Magengeschwüre: kein Streß!

60% aller Turnierpferde haben Magengeschwüre (Magenulcus). Erwiesen ist, dass intensiv trainierte Pferde nicht selten an Magengeschwüren erkranken. Da es sich hierbei um eine vielschichtige Erkrankung handelt, sprechen Veterinäre auch vom Equipe Gastric Ulmer Syndrom (EGUS). Die Pferde leiden und zeigen folgende Symptome: z.B. Koliken, schlechte Futteraufnahme, Konditionsverlust, Unwilligkeit, Widersetzlichkeit bei der Arbeit, Maulgeruch, Aufstoßen, Apathie, Mattigkeit, Zähneknirschen, Stangenbeißen, Futterneid.

Der Magen des Pferdes: klein und auf Dauerfutteraufnahme eingestellt. Deshalb produziert er ohne Pause Magensäure. Auch wenn es nichts zu fressen gibt, produziert der Magen Magensäure. Dann ist der Magen allerdings leer und die Säure greift die Magenwände an. Das Magengeschwür ist da. Deshalb: Keine Fresspause länger als 3 – 4 Stunden!

Magengeschwüre schränken ein Pferd sehr stark ein und können im Endeffekt ein Meisterprojekt scheitern lassen. Es ist also ratsam, von Beginn eines Projektes an, eine geeignete Vorsorge vor Magengeschwüren zu planen und in Eurem Haltung- und Trainingsmanagement umzusetzen.

Folgende Stellschrauben habt Ihr, um das Magengeschwürrisiko deutlich zu senken:

  • Training

Je intensiver dass Training, desto größer die Wahrscheinlichkeit von Magengeschwüren. Deshalb die Pferde nicht durch zu viel Ehrgeiz (Prüfungsdruck!) überfordern, zwischen den Trainingseinheiten ständig für Entspannung sorgen (Weidegang, Paddock, Ausritte, Grobfutter, usw.). Euer Trainingsplan muss diese Antistreßphasen ausweisen.

  • Haltung

Da gibt es nichts zu beschönigen, Boxenhaltung begünstigt Magengeschwüre beim Pferd. Pferde gehören auf eine Weide und im Winter auf einen gut drainierten und täglich abgeäpfelten Paddock. Das Verletzungsrisiko dort ist nicht höher als in der reinen Boxenhaltung. Ein guter Trainingsplan verzeichnet auch diese Tagesphasen und dokumentiert, was mit den Pferden vor und nach dem Training passiert. Eine wesentliche Streßursache sind Transporte und Turniere. Selbst erfahrene Sportpferde zeigen sich noch bei Transporten und Turnieren gestresst. Schon beim Anlegen der Transportgamaschen, das haben Forschungen ergeben, reagieren die Pferde mit Stresssymptomen.

Das reicht nicht! Was bleibt da über vom Steppenpferd?
  • Fütterung

Eines der zentralen Grundbedürfnisse des Pferdes ist die Futteraufnahme. 80% des Tages ist das Pferd damit beschäftigt. Wird dieses genetisch fixierte Bedürfnis eingeschränkt, reagiert das Pferd agnostisch, also mit Aggressivität und Streß.

Tiergerecht gefütterte Pferde haben mindestens 12 Stunden Zugang zu Futter und Fresspausen sind nie länger als 3-4 Stunden. Werden diese Bedingungen unterschritten, hat dies Tierschutzrelevanz! Diese Forderung nach langen Futteraufnahmezeiten und kurzen Fresspausen lassen sich mit Kraftfuttergaben nicht realisieren. Deshalb ist es ratsam, erst dann Kraftfuttergaben zuzuteilen, wenn die Pferde 2 kg- 2,5 kg Grobfutter fressen und dann noch Energie zum Ausgleich der Energieverluste durch Arbeit aufnehmen müssen. Solange ein Pferd bei reiner Grundfutter- Fütterung nicht vom Idealgewicht nach untern abweicht, gibt es keinen vernünftigen Grund, Kraftfutter einzusetzen. Näheres findet Ihr in der Fütterungspyramide.

Kraftfutter: Oft mehr Schaden als Nutzen. Das Pferd ist auf die Aufnahme von Grundfutter spezialisiert und mir Kraftfutter eigentlich überfordert. Auch unsere heutigen Sportpferde sind noch an ihren ursprünglichen Lebensraum angepasst. In der Steppe gab es energiearmes Gras, kein Hafer, keine Gerste, kein Mais, kein Dinkel, und wer sollte das dann auch noch walzen, thermisch bearbeiten, schroten, poppen, pelletieren?

Sollten Kraftfuttergaben unumgänglich sein, dann in möglichst vielen Einzelgaben, immer 3 – 4 Stunden vor der Arbeit und nur, wenn mindestens 2 kg – 2,5 kg Grobfutter je 100 kg Lebendmasse gefüttert werden.

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