Paradigmenwechsel im Tierschutz

 

Die Steppe mit ihren rohfaserreichen, aber energiearmen Gräsern ist der ideale Lebensraum der Pferde. Auch heute noch.

Ein Projekt zum Pferdewirtschaftsmeister muss auch tiergerecht sein. Das fordert nicht nur die Verordnung zum Pferdewirtschaftsmeister, sonden auch das Tierschutzgesetz. Wer heute ein Projekt plant, das den Anspruch der Tiergerechtigkeit haben soll, muss sich mit einem Paradigmenwechsel in der Tierhaltung auseinandersetzen. Sowohl im Sinne der Tiere als auch det Kunden, damit deren Akzeptanz nicht in Ablehung des Betriebes umschlägt.

Stand in der Vergangenheit die Tierquälerei sowie das Vermeiden von Schmerzen und Leiden im Fokus des Tierschutzes, konzentriert sich die Wissenschaft heute mehrheitlich auf die ethisch motivierte sowie ethologisch geprägte Tiergerechtigkeit (1). Die Briten bezeichnen Tiergerechtigkeit sehr anschaulich als „animal welfair (2), während Werbeargenturen in Deutschland im Auftrag von Politikern, Landwirtschaftsfunktionären und der Lebensmittelindustrie den marketinglastigen Begriff „Tierwohl“ kreierten, der weniger präzise ist, als die wissenschaftlich korrekte Bezeichnung „Tiergerechtigkeit“ (3).

Tiergerechtigkeit meint nach heutiger, wissenschaftlicher Sicht nichts anderes, als das Bemühen eines Tierhalters, dafür zu sorgen, dass es seinen von ihm abhängigen Mitgeschöpfen ( Familienmitglieder der Kunden) gut geht.

Tiergerechtigkeit ist viel mehr, als das bloße Vermeiden von Schmerzen, Leiden und Quälereien, es ist diejenige Haltung, bei der das Tier aus wissenschaftlicher, ethologischer Sicht seine genetisch in der Evolution erworbenen und fixierten Bedürfnisse so gut als möglich befriedigen, ausleben kann. Das verlangt vom Tierhalter, dass er das durch die Evolution geprägte Normalverhalten seines Tieres genau kennen muss, um eine tiergerechte Haltung bieten zu können. Ethologische Grundkenntnisse müssen noch stärker als bisher im Fokus der Tierhaltung stehen und bei der Beurteilung von Tierhaltungen herangezogen werden.

In diesem Zusammenhang muss zweifellos festgestellt werden, dass sich die Einstellung der vermehrt urbanisierten Gesellschaft zum Pferd wesentlich verändert hat. Es ist nicht mehr Nutztier, sondern Familienmitglied („companion animal“) mit einer sehr persönlichen Mensch- Tier- Beziehung und einem dementsprechend großen Engagement des Halters für die tiergerechte Haltung eines Pferdes. Derzeit lehnt die Mehrheit der urbanen Bevölkerung die Pferdehaltung/- nutzung noch nicht generell ab, zeigt aber schon ein deutlich zu registrierendes Unbehagen mit der derzeitigen Praxis (4). Wenn sich dieser Trend fortsetzt, gleich mit welchen berechtigten oder unberechtigten Argumenten, und dabei die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Pferdehaltung/ -nutzung schwindet, wird es zu einer existenziellen Depression in diesem Sport/ Wirtschaftsbereich kommen.

Pferden geht es gut, wenn sie 15h fressen und dabei sich im Schritt bewegen können, 7h ruhen dürfen und 2h am Tag Zeit haben sich mit sich und den Herdenmitgliedern zu beschäftigen.

Konzentriert sich ein Pferdewirtschaftsmeister bei der Beurteilung der generellen Tiergerechtigkeit vorrangig auf die Befriedigung der genetisch fixierten Bedürfnisse des Pferdes, dann stehen zwangsläufig die drei große Indikatoren zur Beurteilung einer tiergerechten Pferdehaltung in folgender Wichtigkeit vorrangig zur Diskussion (5) (6):

1. Futteraufnahme und gleichzeitige Bewegung (ca. 2/3 aller Bedürfnisse)

Aus ethologischer Sicht ist die Bewegung des Pferdes überwiegend der Futteraufnahme zuzuordnen, denn das Pferd frisst unter gleichzeitiger, ständiger Bewegung in der langsamen Gangart Schritt. Trab und Galopp werden nur bei Flucht oder Sozialverhalten beobachtet. Das Bedürfnis Bewegung ist deshalb zu überwiegendem Teil nur im Zusammenhang mit dem Bedürfnis Futterausnahme zu diskutieren, denn die Bewegung dient, bis auf wenige Ausnahmen, dem höherrangigem Ziel Futteraufnahme. Die Anatomie und Physiologie des gesamten Verdauungsapparates hat sich im Laufe der Evolution ausschließlich auf energiereduziertes, rohfaserhaltigen Grundfutter spezialisiert. Pferde fressen durchschnittlich 15 h/d, Fresspausen sind im Normalfall nicht länger als 3-4 h. Eine maßgebliche Kraftfutterfütterung erfüllt nicht die genetisch fixierten Bedürfnisse des Pferdes nach vielstündiger Futteraufnahme bei gleichzeitiger Bewegung im Schritt und kann daher nicht als tiergerecht bezeichnet werden. Das nicht befriedigte Bedürfnis der vielstündigen Futteraufnahme des Pferdes bei gleichzeitiger Bewegung korreliert mit dem massenweise Auftreten der oftmals vermeidbaren „Zivilisationskrankheiten“, wie EMS (Diabetes Typ II), Hufrehe, Kolik, Magengeschwüre, OC/ OCD, Problemverhalten, usw.. Die Wissenschaft sieht ein erhebliches Potential, eine tiergerechtere Pferdehaltung zu optimieren, denn das durchschnittliche Pferd ist nur 5,5 Jahre nach dem 3. Lebensjahr in Nutzung und unsere Pferde erreichen gerade einmal die Hälfte des biologisch möglichen Lebensalters (7) (8).

2. Ruheverhalten (ca. 1/3 aller Bedürfnisse)

Stehen und Liegen muss für ca. 7 h/d ermöglicht werden.

3. Komfortverhalten (ca. 1/10 aller Bedürfnisse)

Insgesamt haben Pferde das Bedürfnis, sich 2 h/d zu scheuern, zu wälzen, gegenseitig das Fell zu pflegen sowie dem Sexualtrieb nachzukommen.

   selbstverständlich haben Hütesicherheit, Klimaansprüche, Verletzungssicherheit, Bodenqualität, Futtermittelhygiene, usw. weiterhin eine wesentliche Bedeutung bei der Beurteilung einer tiergerechten Pferdehaltung.

Wenn ein Pferdewirtschaftsmeister den ethisch motivierten Tierschutzansatz der Wissenschaft aufgreift (aufgreifen muss?), dann wird das zwangsläufig auch zu einer veränderten Beurteilung der Tiergerechtigkeit führen können.

Mögliche, zur Diskussion anregende Beispiele:

  • Ein mehrstündiger Paddockaufenthalt ohne Grundfutteraufnahme befriedigt nicht das Grundbedürfnis von Futteraufnahme und Bewegung.
  • Alleinige, langandauernde Bewegung beim Turnier ist ohne Grundfutteraufnahme kritisch zu sehen.
  • Mindestens 12h/d, besser 15h/d Futteraufnahme sind mit Kraftfuttermitteln (Fressgeschwindigkeit 10 min/h/kg) nicht zu realisieren.
  • Bei 15h Futterzugang von Heu (MEPferd 6MJ/kg) und einer Fressgeschwindigkeit von 1 kg Heu/h nimmt ein Warmblutpferd geschätzt 90 MJ/d auf und kann damit eine mittlere Arbeitsleistung (+50% über Erhaltungsbedarf) energetisch ausgleichen (9).
  • Es ist zu diskutieren, ob Kraftfuttermittel überhaupt in einer als tiergerecht zu bezeichnenden Ration zum Einsatz kommen sollen/ dürfen.
  • Es ist zu diskutieren, ob dauerhafte Leistungen des Pferdes, die einen höheren Ausgleich von deutlich mehr als 50% erhöhtem Energiebedarf mit hochkonzentrierten Kraftfuttermitteln erfordern, noch tiergerecht sind.
  • Eine überwiegende Boxenhaltung ist keinesfalls tiergerecht, weil das langstündige Bedürfnis nach Futteraufnahme kombiniert mit Bewegung sowie das mehrstündige Bedürfnis nach Komfortverhalten nicht befriedigt wird.
  • Die alleinige Forderung nach isolierter, teils mehrstündiger Bewegung (Reiten, Paddock, Reithalle, usw.), um Pferde tiergerecht halten zu können, ist ohne Grundfutterangebot nicht zielführend zum Erreichen der Tiergerechtigkeit.

Literatur

(1) vergl. Aurich (Wien), Kunzmann (Hannover), Zeitler- Feicht (München), Bohnet (Hannover), Schrader (KTB) (Darmstadt), Wechsler (Ettenhausen CH)

(2) gemäß der vom “UK Farm Animal Welfare Council” formulierten “Five Freedoms”, heute ersetzt durch das “Farm Animal Welfare Committee”

(3) Methling und Unshelm: Umwelt- und tiergerechte Haltung von Nutz-, Heim- und Begleittieren, Berlin 2002:

(4) Aurich: Vortrag beim Berufsreitertag der BBR 2017, Neustadt/Dosse

(5) nach Schrader (KTBL): https://www.ktbl.de/inhalte/themen/tierhaltung/tierart/pferd/allgemein/tierverhalten/ und Zeitler- Feicht: Handbuch Pferdeverhalten, Stuttgart 2015

(6) KTBL: https://www.ktbl.de/fileadmin/user_upload/artikel/Tierhaltung/…/Tierverhalten.pdf

( 7) Brade: Berichte in Landwirtschaft  Bd.91, H.1, 3/13 (Bundesministerium für Ernährung  und Landwirtschaft)

(8) Hübbers: Tiergerechte Pferdehaltung, Bildungsseminar für die Agrarverwaltung Rheinland- Pfalz

(9) vergl: Arnold: Pferdewirtprüfung (Bd.8) –Tabellen zur Pferdefütterung-, Norderstedt 2016

Futterwerte: Tauschbörse

Futterwerte sind die Basis einer jeden Fütterung

Eine Futterwertanalyse der eingesetzten Futtermittel ist oft nicht zu vermeiden. Gerade bei den verwendeten Grundfuttermitteln, sei es Heu oder Silage, ist der Einfluss von Düngung, Schnittzeitpunkt, Region, Bodenart sowie Klima sehr oft unterschiedlich. Selbst vom selben Standort kann in einem sonnigen Jahr das Heu fast doppelt so hohe Energiegehalte haben, als in einer verregneten Wachstumsperiode.

Das Problem: Derzeit gibt es in Deutschland nur sehr wenig veröffentlichte Futterwertuntersuchungen, deshalb sind Verallgemeinerungen nicht möglich. Eine Futterwertbörse, in die jeder von Euch seine Werte einbringt, würde Euch allen sehr helfen, mit korrekten Mittelwerten arbeiten zu können.

Üblicherweise reichen folgende Untersuchungen aus: Trockenmasse (TM); Rohfaser (Rfa); präcaecales Rohprotein (pcvRp); Metabolische Energie des Pferdes (ME pfd); Calcium (Ca); Phosphor (P); Natrium (Na). Die Preise einer derartigen Untersuchung liegen bei ca. 100.- bis 150.- €.

Merke: Die Untersuchung weiterer Inhaltsstoffe ist wenig zielführend und kann den Untersuchungspreis stark erhöhen! Ein Blick ins Internet kann hilfreich sein, denn die Landwirtschaftlichen Untersuchung- und Forschungsanstalten (LUFA) der einzelnen Regionen nehmen durchaus unterschiedliche Preise, wie z.B. die Preise in Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen zeigen. Im Gegensatz zu Bodenanalysen können Futterwertanalysen in jedem Bundesland in Deutschland problemlos in Auftrag gegeben werden, regionale Eigenarten wie beim Boden spielen da keine Rolle.

Hilfreich für Eure Projektarbeit ist, wenn alle Projektteilnehmer, die eine Futterwertanalyse in Auftrag gegeben haben, diese hier in einer Börse öffentlich machen. Eine namentliche Kennzeichnung ist nicht notwendig.

Folgende Angaben solltet Ihr machen:

Futtermittel:   
Erntezeitpunkt
(z.B. 1. Schnitt, intensiv gedüngt, ...):
Bodenart:
Region:
Erntejahr:
TrockenmasseTM:.......g/TMGramm in der Trockenmasse
Rohfaser Rfa:.......g/TMGramm in der Trockenmasse
präcaecal verdauliches RohproteinpcvRp:.......g/TMGramm in der Trockenmasse
Umsetzbare Energie (= Metabolische Energie) des PferdesMEpfd:.....MJ/TMMegajoule in der Trockenmasse
CalciumCa:.......g/TMGramm in der Trockenmasse
PhosphorP:.......g/TMGramm in der Trockenmasse
NatriumNa:.......g/TMGramm in der Trockenmasse
.......g/TM
.......g/TM

 

Nachweis von Kreuzkraut in Heu/Silage

Kreuzkräuter im Heu und in der Silage sind nicht zu tolerieren. Das Gift der Pflanze für schleichend zu Nierenversagen, die vergifteten Pferde können nicht gerettet werden.

Kreuzkräuter, hierzu gehört auch das Jacob- Kreuzkraut, ist für Pferde stark giftig und führt zu schleichenden Vergiftungen, die nicht behandelbar sind und mit Nierenversagen enden.

Auf der Weide lässt sich Kreuzkraut gut identifizieren. Anders im Heu und in der Silage. Selbst geübte Botaniker sehen sich nicht in der Lage, Kreuzkräuter im Heu und in der Silage zu identifizieren. Die LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchung- und Forschungsanstalt) Niedersachsen bietet Pferdehaltern einen Nachweis von Kreuzkraut im Grobfutter durch den PCR-Nachweis. Der Kreuzkrautnachweis gibt Pferdehaltern Gewissheit, ob im Heu/ Silage ihrer Pferde Kreuzkraut enthalten ist. Tückisch ist, dass die Ansicht bittere Pflanze im Heu und in der Silage erstens nicht zu erkennen ist und zweitens schmackhaft wird.

Die Verfütterung von kreuzkrauthaltigem Heu/Silage ist tierschutzwidrig.

Die Untersuchung auf Kreuzkraut im Grobfutter führt u.a. die LUFA Nord- West, Institut für Futtermittel, Jägerstraße 23 – 27,  26121 Oldenburg (www.lufa-nord-west.de) durch. Die Kosten betragen derzeit 114.- € je Probe. Diese kann, muss aber nicht, auf weitere Inhaltsstoffe, wie z.B. Energie, Eiweiß, Ca, P und Na untersucht werden. Der im Internetauftritt der LUFA ausdrucksbare Untersuchungsauftrag nennt die Kosten weiterer Analysen.

Ein Formular für einen Untersuchungsauftrag für Pferde findet Ihr hier.

Tagesfutterplan, damit es den Pferden gut geht

Längst reicht es nicht mehr aus, die verbrauchte Energie beim Pferd einfach nur auszugleichen. Verlangt wird derzeit, dass es den Pferden durch die Fütterung auch gut geht.

Ein alleiniger Ausgleich der verbrauchten Energie eines Pferdes würde im Extrem bedeuten, dass z.B. die notwendigen 80 MJ je Tag eines Großpferdes mit 8 kg Kraftfutter ausgeglichen werden. Eine bloße Rationsberechnung garantiert also nicht, dass es unseren Pferden auch gut geht.

Die Beschäftigung mit der Verhaltensbiologie (Ethologie) der Pferde sowie der Einsatz eines Tagesfutterplans sorgt dafür, dass die Pferde satt und gleichzeitig tiergerecht gefüttert werden.

Wie der Tagesfutterplan ganz einfach eingesetzt werden kann, könnt Ihr hier nachlesen und gleichzeitig das Formular als pdf- oder Excel- Datei downloaden. Dann geht es Euren Pferden gut!

 

Stickstoffdüngung der Pferdeweiden

Entsprechend der neuen Düngeverordnung sind folgende Richtwerte bei der Düngung von Pferdeweiden einzuhalten:

  • Die Pflanzennährstoffe Phosphor (P), Kalium (K), Magnesium (Mg) sowie Calcium (Ca) sind erst nach einer Bodenprobe und entsprechender Düngeempfehlung der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) vorzunehmen. Das Ergebnis der Bodenprobe (1. Seite) sowie die Düngeempfehlung (2. Seite) sind bis zu 10 Jahre aufzuheben. Eine Düngung der Grundnährstoffe ohne Bodenprobe und Düngeempfehlung ist nicht zulässig! Das Einhalten der Düngeverordnung ist Voraussetzung für die Beantragung von Subventionen.
  • Der Nährstoff Stickstoff (N) kann entweder über eine Bodenprobe (Anlieferung im gekühlten Zustand zur LUFA!) oder aber, da kostenintensiv und umständlich, anhand der folgenden Höchstwerte der neuen Düngeverordnung vorgenommen werden:

Stickstoffdüngung von Pferdeweiden nach den Vorschriften der neuen Düngeverordnung

KulturErtragsniveauN- DüngungAnpassung an Bodenart
Weide extensiv65 dt/TM/ha/a65 kg N/ha/a
Weide intensiv90 dt/TM/ha/a130 kg N/ha/a
Anteil organische Masse (oM)Abschläge in %
schwach bis stark humoser Bodenbis 8% - 10%
stark bis stark humoser Boden8% bis 15% - 30%
anmooriger Boden15% bis 30%-50%
Niedermoormehr als 30%-80%
Auch für Pferdehalter gilt die neue Düngeverordnung. Entsprechend den Vorgaben der Verordnung ist das Weidemanagement zu planen und durchzuführen. Die extensive Weideführung ist die Idealkombination bei ökonomischer und gleichzeitig ökologischer Betrachtung. Eine extensive Weideführung kommt den Bedürfnisses der Pferde wesentlich besser nach, als intensiv gedüngtes Grünland. Interessant ist der Vergleich des Düngebedarfes einer extensiven und Intensiven Pferdeweide: Eine 100%ige Steigerung der Düngung mit doppelten Kosten erzielt lediglich eine Ertragssteigerung von nur knapp 40%.

Was kostet Pferdefutter wirklich?

Wenn Ihr herausfinden wollt, was Pferdefutter wirklich kostet, um Euch entscheiden zu können, wie Ihr Kosten senken könnt, dann dürft Ihr nicht nur auf den Händlerpreis des jeweiligen Futters schauen. Entscheidend ist nicht, was ein Sack Futter kostet, sondern, wie lange er hält. Ganz konkret bedeutet dies, dass Ihr den Energiegehalt, also die Energiedichte des Futters mitberücksichtigen müsst. Nur dann könnt Ihr die einzelnen Futtermittel wirklich preislich vergleichen.

Gehen wir mal in die Praxis und vergleichen mehrere Futtermittel für den Einsatz bei einem leicht arbeitenden, ausgewachsenen Grosspferd. Der Energiebedarf dieses Pferdes ist 79 Megajoule (MJ).

Rein rechnerisch ermitteln wir jetzt den Preis pro Tag, den es kosten würde, das Pferd komplett mit diesem Futtermittel zu füttern. Dazu könnt Ihr Euch die folgende Tabelle anlegen:

 Energiegehalt (ME) je Kilo (MJ/kg)*Einkaufspreis je 100 kg (€/dt) und je Kilogramm (€/kg)Futtermenge bis Energiebedarf erreicht ist (kg)Kosten pro Tag (€/d)
Weide1,8 MJ/kg3.-€/dt
0,03€/kg
43,9kg1,32€/d
Heulage5,5 MJ/kg13.-€/dt
0,13€/kg
14,4kg1,87€/d
Heu6,5 MJ/kg12.-€/dt
0,12€/kg
14,4kg1,73€/d
Stroh4 MJ/kg9.-€/dt
0,09€/kg
19,8kg1,78€/d
Hafer10 MJ/kg22.-€/dt
0,22€/kg
7,9kg1,74€/d
Trockenschnitzel11MJ/kg21.-€/dt
0,21€/kg
7,2kg1,51€/d
Noname Müsli10 MJ/kg60.-€/dt
0,60€/kg
7,9kg4,74€/d
Premium Müsli10 MJ/kg160.-€/dt
1,60€/kg
7,9kg12,64€/d
Pflanzenöl38 MJ/kg98.-€/dt bzw. 100 Liter
0,98€/kg bzw. Liter
2,1kg bzw. Liter2,03€/d

Klar, Ihr habt schon gemerkt, dass es keine gute Idee ist, das Pferd mit über 2 Liter Öl zu ernähren oder 8 kg Kraftfutter in die Krippe zu geben. Aber, Ihr seid mit dieser rein rechnerischen Fütterung jetzt in der Lage, die von Euch zur Verfügung stehenden Futtermittel ökonomisch zu bewerten.

In unserem Beispiel wird z.B. deutlich, dass Ihr die Futterkosten drastisch senken könnt, wenn Ihr den Einsatz der Müsli zur Diskussion stellt. Übrigens: Jetzt wisst Ihr, warum die Futtermittelfirmen immer so große, teure Stände bei der Equitana haben oder die großen, teuren Anzeigen in den Zeitschriften in Auftrag geben können und die Futtermittelvertreter immer so freundlich zu Euch sind.

Auch aus ökonomischer Sicht ist es keineswegs zielführend, wenn Ihr z.B. das Heu reduziert und stattdessen Kraftfutter in die Krippen füllt. Erstens wird die Pferdefütterung nicht billiger und zweitens werden die Pferde deutlich stressanfälliger und damit die Krankheitskosten langfristig deutlich ansteigen.

Es macht also aus Sicht der Tiergerechtigkeit und der Ökonomie keinen Sinn, von der Mindestmenge 2 – 2,5 kg Grobfutter je 100 kg Lebendmasse, also schlappe 12 kg Heu je Großpferd und Tag, abzuweichen. Und der allerbeste Tipp für Euer Pferd und Euren Geldbeutel ist, das Pferd auf eine Weide zustellen. Das rechnet sich für Euer Pferd und Euch jede Stunde.

Das, was wir hier zusammen errechnet haben, das müsst Ihr jetzt mit Euren Futtermitteln, Euren Preisen und Euren Energiegehalten im Futter selber machen, um Eure Fütterung auch ökonomisch bewerten zu können.

*Nur an einer Stelle müsst Ihr aufpassen: Wir hier haben mit dem derzeitigen Bewertungssystem gearbeitet, also mit der Metabolischen Energie des Pferdes (ME Pferd) in der Euch bekannten Einheit Megajoule (MJ). Die meisten Futtermittelhersteller und auch noch Bücher benutzen noch das alte System vE (verdauliche Energie) und weisen damit deutlich höhere Energiegehalte aus. Lasst Euch nicht täuschen. Entweder alle Berechnungen in der alten Weise (vE) oder besser in der neuen. aktuellen Bewertung (ME Pferd). Eine preiswerte Futterwerttabelle nach dem neuesten Bewertungssystem findet Ihr hier.

Studieren in der Schweiz: Pferdewissenschaften

Nach dem Pferdewirtschaftsmeister noch zur Uni? Mal über den Tellerrand schauen zu unserem Nachbarn Schweiz?

Dann kann das eine Möglichkeit für Euch sein, denn die Berner Fachhochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) kann auch von Studenten aus Deutschland besucht werden.

Besonders interessant ist das Bachelorstudium Agronomie mit der Vertiefung Pferdewissenschaften. Studierende erwerben zunächst die Basics der Agrarwissenschaften und beschäftigen sich mit Pflanzen- und Nutztierwissenschaften, Betriebswirtschaft, Marketing, den relevanten Naturwissenschaften und auch der Technik. Ab dem dritten Semester beginnt dann die hippologisches Spezialisierung. Mehr und mehr beschäftigt sich das Studium mit Anatomie und Pathologie des Pferdes, Pferdefütterung, Gründlandmanagement, Ethologie, Pferdehaltung, Pferdeausbildung, Pferdezucht und Genetik, Sport- und Trainingslehre, Reitanlagenbau, Exterieurbeurteilung, Pferdehandel, Krisenmanagement und natürlich auch Wirtschaft und Recht rund um das Pferd.

Ganz genau könnt Ihr alles hier nachlesen oder dort: www.hafl.bfh.ch

Nach dem erfolgreichen Studienabschluss habt Ihr den Titel „Bachelor of Science in Agronomie mit Vertiefung Pferdewissenschaften“

Wer kann sich bewerben?

  • alle Pferdewirte mit der Fachhochschulreife oder allgemeinen Hochschulreife
  • alle Meister mit Fachhochschulreife oder allgemeiner Hochschulreife. Da die Schweiz nicht zur EU gehört, wird die Meisterprüfung derzeit leider nicht als Hochschulreife anerkannt.
  • Meister ohne Fachhochschulberechtigung können aber eine Sonderzulassung beantragen und wenden sich an den Leiter der Lehre, Prof. Dr. Roland Stähli, der jeden Antrag gerne prüfen möchte: T +41 31 910 21 25 oder roland.staehli@bfh.ch

Individuelle Auskünfte und Beratung zur Zulassung und zum Studium gibt Euch: Prof. Dr. Conny Herholz, Leiterin Vertiefung Pferdewissenschaften, T +41 31 910 21 11 oder office.hafl@bfh.ch

Alle Fotos dieser Seite: © HAFL / C. Herholz

Dann klappts auch mit der Prüfung

Nach einem Vortrag der Sportpsychologin Gaby Bussmann (bussmann@reitsportpsychologie.de) , die als Mentaltrainerin die Deutschen Olympiareiter betreut, habe ich diese Profitipps zur Pferdewirtprüfung sowie zur Fortbildungsprüfung zum Pferdewirtschaftsmeister erarbeitet.

  1. Wenn Ihr Euch auf die Prüfung vorbereitet, weil Ihr im Reiten, Longieren, Ausritt vorbereiten, Hufverband wickeln, der Exterieurbeurteilung oder in der Rationserstellung geprüft werdet, dann bitte genau so wie in der Prüfung! Also Ihr plant z.B. um 9:30 das Pferd Fury zu longieren. Dann findet das auch genau um 9:30 statt. Da wird nichts mehr geholt, aufs Handy geschaut, die Kleidung zurecht gezupft, das Pferd noch rasch geputzt, Anbindering gesucht oder zm Klo gegangen. Dann trainiert Ihr neben der eigentlichen Arbeit mit dem Pferd auch das in einer Prüfung so wichtige Zeit- Management. Also: Wenn Ihr um 12:15 eine L- Dressuraufgabe reiten wollt, dann geht das Punkt 12:15 los, da wird nichts wiederholt oder abgekürzt oder gar neu angefangen. In einer Prüfung habt Ihr nur eine Chance, die Ihr unbedingt nutzen solltet. Und das übt Ihr!
  2. Vor der Prüfung einige Tage Urlaub nehmen bzw. endlich mal die Überstunden nehmen. Wenn der Betrieb das nicht will, macht nichts, Ihr geht. Wenn der Betrieb immer noch mault, dann wisst Ihr, dass das ein schlechter Betrieb ist, um den man besser einen Bogen macht. Arbeitsrechtliche Probleme bekommt Ihr nicht, wenn Ihr geht.
  3. Wer kurz vor der Prüfung, vielleicht im Prüfungslehrgang oder während der Prüfungszeit beim Turnier meldet, der hat den Schuss nicht gehört oder der/die nimmt die Prüfung nicht so ernst. Geht gar nicht!
  4. Die „freie“ Zeit nutzen, den Prüfungstag bzw. Prüfungslehrgang in aller Ruhe sorgfältig vorzubereiten. Eine schriftliche Liste erstellen und das Erledigte abhaken.
  5. Zur Vorbereitung gehört auch, die Kleidung durchzusehen (Flecken, Löcher, Knöpfe) und Schuhe und Stiefel zu putzen sowie Vorbereitung des Autos und der Wegstrecke, sowie die Überlegung, wie Ihr fahrt, wenn Stau ist und wie lange da der Zeitpuffer sein muss. Wer gegen die Uhr zur Prüfung fährt hat schon verloren.
  6. Am besten einen Tag vorher anreisen. Schon einmal den Weg zum Prüfungsort machen, Zeitpuffer einbauen. Ziel ist es, erst einmal in aller Ruhe anzukommen und Zeit zu haben, sich umzuschauen, einzuleben.
  7. Ab jetzt klammert Ihr konsequent alle dunklen Gedanken aus und denkt einfach positiv. Ihr habt Euch super vorbereitet, das wird gut gehen! Ihr stellt Euch vor, wie schön es ist, endlich die Prüfung zu bestehen und Pferdewirtin zu sein. Das hilft wirklich!
  8. Ab jetzt viel lachen! Spaß haben, ist definitiv erlaubt und hilfreich. Ruhig lustige Sachen machen, lustigen Film sehen, Karten spielen, schönes Buch lesen. Immer einfach lächeln, das wirkt, probiert das mal aus! Und alle, die hektisch sind und schlechte Laune haben, konsequent meiden, einfach stehen lassen.
  9. Vor der Prüfung, Ihr habt ja ein wenig Zeit eingeplant, sich einfach mal richtig massieren lassen. Der Streß weicht und Ihr seid auch gelöst! 20 €, die gut angelegt sind. Zur Vorbereitung gehört also auch, sich vor der Prüfung mal eine Physiopraxis zu suchen und einen Termin zu machen. Ihr reiten gleich besser! Wer von Euch noch nie eine Message bekommen hat, sollte das zuhause einmal vorher probieren. Dann könnt Ihr die Anwendung direkt vor der Prüfung viel gelassener genießen.
  10. Wenn Ihr reiten müsst in der Prüfung, dann könnt Ihr Euch gegenseitig tapen oder es gleich bei der Physio machen lassen. Dazu gibt es mehrere Methoden:
    1. Tipp "Horizont"Mit Kinesiotape von der einen bis zur anderen Schulter tapen. Ihr bekommt ein Feedback über das Tape, wenn Ihr nicht mehr gerade sitzt.
    2. Tipp "Hosenträger"Ihr tapet Euch Hosenträger während Ihr schön gestreckt seid und die Schultern zurück nehmt, beginnend auf der Vorderseite in Höhe des Dekolletee unter Zug bis zur Schulter, dann ohne Zug ! über die Schulter und auf den Rücken, so tief wie auf der Vorderseite.
    3. Tipp "Kreuz"Ihr beginnt an der Schulter und lasst das Tape auf der gegenüberliegenden Rückenseite im Bereich der letzten Rippen enden. Es entsteht ein Kreuz auf Eurem Rücken. Nehmt Ihr das elastischere Kinesiotape, dann erhaltet Ihr ein Feedback, wenn Ihr nicht gestreckt sitzt, ist das Tape aber wenig elastisch, dann werdet Ihr auch durch das Tape gerade hingesetzt.
     Warum das Ganze? Jedesmal, wenn Ihr nicht nicht gestreckt auf dem Pferd sitzt und die Schultern nach vorne geraten, dann macht sich Euer Tape bemerkbar und Ihr merkt, dass Ihr nicht gerade und mit vorgebeugter Schulter auf dem Pferd sitzt. Das Tape gibt Euch also eine Rückmeldung. Ihr könnt jetzt Euren Sitz korrigieren, gerade und Schulter zurück. Und plötzlich wirkt Ihr besser ein und Ihr fühlt Euch viel stärker, besser gerüstet für die Prüfung. Wenn Ihr jetzt noch ein wenig lächelt, kann gar nichts mehr schief gehen und die Prüfer sind begeistert. Kleiner Tipp für die Männer: Vor dem Tapen rasieren, sonst macht das Entfernen des Tapes nicht wirklich Spaß! Aber: Das mit dem Tapen und die Wahl, welche Methode für Euch die passende ist, dass müsst Ihr unbedingt vor der Prüfung in Ruhe zuhause ausprobieren.

    So könnt Ihr z.B. das Kreuz für einen aufrechten Sitz tapen. Mit einem runden Rücken und tiefen Kopf auf einen Stuhl setzen und eine zweite Person beginnt mit dem Kreuz unter Zug. Je starrer das Tape, desto stärker die Wirkung. Probiert es einfach aus. (Danke an das Team der Physiopraxis Ahrens in Bremen)
  11. Keine Prüfungsaufgabe wird komplett zu 100% von Euch erfüllt. Kein Mensch, auch nicht Prüfer, sind perfekt. Macht nichts! Bemerkt Ihr einen Fehler, dann nicht darüber nachdenken, nicht hadern, konzentriert Euch auf Euren Plan, den Ihr gemacht habt. IMMER NACH VORNE SCHAUEN UND NACH VORNE DENKEN! Und dann bloß nicht denken, dass jetzt alles umsonst, alles vorbei ist. Gewonnen wird immer am Schluß. Wenn Ihr mit einem Schiff fahrt, kommt Ihr ja auch nicht auf die Idee, vor dem Anlegen des Dampfers auszusteigen!
  12. Habt Ihr gemerkt? Nur wenn Ihr Euch Ziele setzt und dazu Pläne macht, werdet Ihr wirklich erfolgreich sein. Ziele,das Notieren Eurer Stärken und Erinnerungen an gute Ritte/Trainingseinheiten sowie Eure Pläne solltet Ihr aufschreiben und immer wieder ansehen. Alle Prüfungsaufgaben, egal ob mit oder ohne Pferd, werden vorher von Euch geplant. Da malt man sich mal den Weg auf, da lauft Ihr die Aufgabe ab, Ihr reitet/ longiert mit geschlossenen Augen (natürlich ohne Pferd) oder malt die Aufgabe mit dem Finger im Sand, oder, oder. Auch den Hufverband kann man mit geschlossenen Augen in Gedanken wickeln oder mit dem Bleistift die Wickelungen zeichnen. Denn viele verschiedene Wege führen dazu, dass Ihr Euch, oder besser Euer Gehirn, sich die Aufgabe besser einprägt und Ihr dann selbstbewußt das Gelernte ausführen könnt, denn Ihr seid super gut vorbereitet. Einen Blackout wird es dann nicht geben, gibt es sowieso nicht, in meiner fast vierzigjährigen Prüferzeit habe ich noch nie einen Blackout erlebt: Alles Märchen und Gerüchte. Und wer sicher ist, der ist auch lockerer und deutlich besser in der Prüfung.
  13. Beim Fachgespräch nicht mit den Fehlern beginnen. Ihr habt eine gut vorbereitete Aufgabe gezeigt und da dürft Ihr ruhig stolz auf das hinweisen, was gut gelungen ist. Bloß keine Fehlerguckerei! Probleme können weiter zum Ende dargestellt werden, frei nach dem Motto, eigentlich war das ganz gut, wäre aber noch besser gewesen, wenn… . Ein guter Tipp ist auch immer die sog. Sandwich- Methode: Mit guten Dingen beginnen, dann Verbesserungen aufzeigen und zum Schluss noch mal aufzeigen, was insgesamt ganz gut war.
  14. Ihr wählt Euch vor und während der Prüfung 2 -3 Berater. Die dürfen Euch was sagen, die dürfen Euch beurteilen, denen glaubt Ihr. Und alle anderen Klugschnacker blendet Ihr konsequent aus! Wer seid Ihr denn, dass da jeder an Euch rumkritisieren darf. Ihr seid doch gut vorbereitet. Und dann noch etwas zum Überlegen: Ihr könnt Prüfer nicht Volltexten oder anfliegen, um Eure Schwächen zu kaschieren, meint Ihr, die Prüfer sind doof? Solche plumpen Versuchen enden immer negativ. Beherzigt: Zu viele Tipps machen Euch raschlebig und die Ergebnisse werden schlechter!
  15. Entzieht Euch ganz konsequent den Grüppchen, die da stressen, tratschen, lästern und ewig vom Durchfallen reden. Großen Bogen um diese Grüppchen. Macht in der prüfungsfreien Zeit etwas ganz anderes, geht Eis essen, macht das Handy lautlos, leiht Euch ein Fahrrad, geht ins Museum, macht einen Spaziergang und knipst ein paar schöne Bilder mit dem Handy, sucht schöne Pflanzen oder Blätter, sucht schöne Steine, singt einfach (muss ja keiner in der Nähe sein) oder setzt Euch alleine zu den Pferden in den Stall oder auf der Weide und beobachtet sie, redet mit denen,macht Fotos oder zeichnet sie.

Prozesse einfach darstellen

Prozesse, also ein ganzes Bündel von Aktivitäten, könnt Ihr ganz einfach grafisch darstellen, ohne einen großen Aufsatz zu schreiben. Damit Ihr zunächst einmal eine Vorstellung bekommt, wie so etwas funktionieren kann, findet Ihr hier ein erstes Beispiel:

Das sog. Prozeßdiagramm besteht aus Prozessen (= Aktivitäten) und wird als Rechteck dargestellt. Immer wenn die Prozesspfeile auf ein auf die Spitze gestelltes Quadrat treffen, gilt es eine Entscheidung zu treffen. Folglich steht in dem Entscheidungsfeld eine Frage. Je nach Beantwortung verlasst Ihr an der zutreffenden Spitze das Entscheidungsfeld.

Richtig, Ihr müsst Euch zunächst einmal einlesen, das Prozessdiagramm lesen lernen. Ihr erkennt, dass nach Aktivitäten, die werden Prozesse genannt, immer auch, wie im richtigen Leben Entscheidungen notwendig sind, wie z.B. dieser Prozessausschnitt zeigt:

Das Wesentliche an einem Prozessdiagramm ist, dass hier der tatsächlich in der Praxis bestehende Prozess abgebildet wird und wie in der Praxis müsst Ihr richtige Entscheidungen treffen. Da kann nicht mehr rumgeschwafelt werden, dass bei erhöhter Temperatur das Pferd nicht gearbeitet werden darf, nein, da muss genau die Frage beantwortet werden, ab wann passiert dies und ab wann passiert das. Das erfordert Detailkenntnis. Ein Prozessdiagramm erfordert deshalb viel mehr Fachwissen als das unverbindliche Gerede. Und natürlich habt Ihr jetzt die Gelegenheit exakt die Standards zu definieren, von denen Ihr überzeugt seid. Ihr legt z.B. fest, wann das Pferd nur einen Tag Pause bekommt und ab wann Eure Mitarbeiter Euch sofort informieren müssen oder aber sofort den Tierarzt rufen müssen.

Prozessdiagramme zu ganz bestimmten Aktivitäten, das können Tierbehandlungen sein, das Stallklima betreffen, das Weidemannagement beschreiben aber auch reiterliche Prozesse, wie z.B. die Scala der Ausbildung, usw..

Solche Prozessdiagramme können ganz einfach mit üblichen Officeprogrammen, wie Word oder Powerpoint erstellt werden. Unter Einfügen und dann Formen findet Ihr alle Formen und Pfeile. Bei der Ausrichtung hilft Euch das Programm.

Magengeschwüre: kein Streß!

60% aller Turnierpferde haben Magengeschwüre (Magenulcus). Erwiesen ist, dass intensiv trainierte Pferde nicht selten an Magengeschwüren erkranken. Da es sich hierbei um eine vielschichtige Erkrankung handelt, sprechen Veterinäre auch vom Equipe Gastric Ulmer Syndrom (EGUS). Die Pferde leiden und zeigen folgende Symptome: z.B. Koliken, schlechte Futteraufnahme, Konditionsverlust, Unwilligkeit, Widersetzlichkeit bei der Arbeit, Maulgeruch, Aufstoßen, Apathie, Mattigkeit, Zähneknirschen, Stangenbeißen, Futterneid.

Der Magen des Pferdes: klein und auf Dauerfutteraufnahme eingestellt. Deshalb produziert er ohne Pause Magensäure. Auch wenn es nichts zu fressen gibt, produziert der Magen Magensäure. Dann ist der Magen allerdings leer und die Säure greift die Magenwände an. Das Magengeschwür ist da. Deshalb: Keine Fresspause länger als 3 – 4 Stunden!

Magengeschwüre schränken ein Pferd sehr stark ein und können im Endeffekt ein Meisterprojekt scheitern lassen. Es ist also ratsam, von Beginn eines Projektes an, eine geeignete Vorsorge vor Magengeschwüren zu planen und in Eurem Haltung- und Trainingsmanagement umzusetzen.

Folgende Stellschrauben habt Ihr, um das Magengeschwürrisiko deutlich zu senken:

  • Training

Je intensiver dass Training, desto größer die Wahrscheinlichkeit von Magengeschwüren. Deshalb die Pferde nicht durch zu viel Ehrgeiz (Prüfungsdruck!) überfordern, zwischen den Trainingseinheiten ständig für Entspannung sorgen (Weidegang, Paddock, Ausritte, Grobfutter, usw.). Euer Trainingsplan muss diese Antistreßphasen ausweisen.

  • Haltung

Da gibt es nichts zu beschönigen, Boxenhaltung begünstigt Magengeschwüre beim Pferd. Pferde gehören auf eine Weide und im Winter auf einen gut drainierten und täglich abgeäpfelten Paddock. Das Verletzungsrisiko dort ist nicht höher als in der reinen Boxenhaltung. Ein guter Trainingsplan verzeichnet auch diese Tagesphasen und dokumentiert, was mit den Pferden vor und nach dem Training passiert. Eine wesentliche Streßursache sind Transporte und Turniere. Selbst erfahrene Sportpferde zeigen sich noch bei Transporten und Turnieren gestresst. Schon beim Anlegen der Transportgamaschen, das haben Forschungen ergeben, reagieren die Pferde mit Stresssymptomen.

Das reicht nicht! Was bleibt da über vom Steppenpferd?
  • Fütterung

Eines der zentralen Grundbedürfnisse des Pferdes ist die Futteraufnahme. 80% des Tages ist das Pferd damit beschäftigt. Wird dieses genetisch fixierte Bedürfnis eingeschränkt, reagiert das Pferd agnostisch, also mit Aggressivität und Streß.

Tiergerecht gefütterte Pferde haben mindestens 12 Stunden Zugang zu Futter und Fresspausen sind nie länger als 3-4 Stunden. Werden diese Bedingungen unterschritten, hat dies Tierschutzrelevanz! Diese Forderung nach langen Futteraufnahmezeiten und kurzen Fresspausen lassen sich mit Kraftfuttergaben nicht realisieren. Deshalb ist es ratsam, erst dann Kraftfuttergaben zuzuteilen, wenn die Pferde 2 kg- 2,5 kg Grobfutter fressen und dann noch Energie zum Ausgleich der Energieverluste durch Arbeit aufnehmen müssen. Solange ein Pferd bei reiner Grundfutter- Fütterung nicht vom Idealgewicht nach untern abweicht, gibt es keinen vernünftigen Grund, Kraftfutter einzusetzen. Näheres findet Ihr in der Fütterungspyramide.

Kraftfutter: Oft mehr Schaden als Nutzen. Das Pferd ist auf die Aufnahme von Grundfutter spezialisiert und mir Kraftfutter eigentlich überfordert. Auch unsere heutigen Sportpferde sind noch an ihren ursprünglichen Lebensraum angepasst. In der Steppe gab es energiearmes Gras, kein Hafer, keine Gerste, kein Mais, kein Dinkel, und wer sollte das dann auch noch walzen, thermisch bearbeiten, schroten, poppen, pelletieren?

Sollten Kraftfuttergaben unumgänglich sein, dann in möglichst vielen Einzelgaben, immer 3 – 4 Stunden vor der Arbeit und nur, wenn mindestens 2 kg – 2,5 kg Grobfutter je 100 kg Lebendmasse gefüttert werden.

1 kg Heu = 1 kg Silage?

Gras, Silage und Heu unterscheiden sich grundsätzlich nur durch ihren Wassergehalt.

  • Gras: Es ist besonders wasserhaltig. Es enthält vielleicht 160 g Futterinhaltsstoffe, Trockenmasse (TM) genannt und 840 g Wasser (Rohwasser) je 1.000 g Gras.
  • 1.000 g Gras: Pferd frisst 160 g Futter und 840 g Wasser

  • Silage: Wird das Gras geschnitten und trocknet in der Sonne 1 – 2 Tage, dann verdampft viel Wasser. Aber in dieser kurzen Zeit ist das Gras noch nicht ganz trocken. Es hat vielleicht schon 500g Futterinhaltsstoffe (Trockenmasse TM), aber noch 500 g Wassergehalt (Rohwassergehalt) je 1.000 g halbtrockenes Gras. Weil Futtermittel nur lagerfähig sind, wenn sie mindestens 860 g Futterinhaltsstoffe (Trockenmasse) besitzen, wird aus dem angetrocknetem Gras die Grassilage gemacht. Die ist dann lagerfähig.
  • 1.000 g Silage: Pferd frisst 500 g Futter und 500 g Wasser

  • Heu: Ist das Wetter gut, dann trocknet die Sonne in mehreren Tagen das Gras so stark, dass es lagerfähig ist. Heu enthält etwa 880 g Futterinhaltsstoffe (Trockenmasse) und nur 120 g Wasser (Rohwasser).
  • 1.000 g Heu: Pferd frisst 880 g Futter und 120 g Wasser

Halten wir fest, in Wirklichkeit frisst ein Pferd bei 1 kg Gras nur 160 g Futter, bei 1 kg Grassilage nur 500 g Futter und bei 1 kg Heu nur 880 g Futter.

Ein schwerer Fehler wäre, wenn ein Pferdehalter/in anstelle von 1 kg Heu dann 1 kg Silage verfüttert und erwarten würde, das Pferd würde satt werden.

Hier jetzt die Berechnung, wie Ihr Heu, Silage und Gras so tauscht, dass Euer Pferd die selbe Menge Futter erthält:

1 kg Heu = 880 g Futter (Trockenmasse)

Willst Du Heu durch Silage ersetzen, dann musst Du wissen, das 1 kg Silage nur 500 g Futter (Trockenmasse) enthält. Folglich musst Du mit dem Taschenrechner ermittelt wieviel mehr Silage Du füttern musst, um wieder auf 880 g Futter (Trockenmasse) zu kommen: 880 : 500 = 1,76. Das Ergebnis ist, Du musst 1,76 mal mehr Silage anstelle von Heu verfüttern. 2 kg Heu/100 kg LM/d = 3,52 kg Grassilage/100kg/d

Grassilage muss 1,76 mal mehr gefüttert werden als Heu

Wenn Dein Pferd 2 kg Heu/100kg LM/d bekommt und damit satt ist, dann wird es auf der Weide ähnlich viel Futter aufnehmen. Mit Heu nimmt es in Wirklichkeit 2 x 880 g Futter (Trockenmasse) = 1.760 g auf. Mit 1 kg Gras hat Dein Pferd erst 160 g Futter (Trockenmasse) aufgenommen. Folglich rechnest Du: 1.760 : 160 = 11. Dein Pferd wird, so kannst Du jetzt schätzen, 11 kg Gras/100 kg LM/d fressen.

Gras muss 5,5 mal mehr als Heu vorhanden sein

Faustzahlen zum Futtermittelaustausch

AustauschHeu zu SilageSilage zu Gras Heu zu Gras
1,5 x bis 2 x3 x bis 3,5 x5 x bis 6 x
AustauschGras zu SilageSilage zu HeuGras zu Heu
: 3 bis : 3,5: 1,5 bis : 2: 5 bis : 6
Die Rohwassergehalte, bzw. Trockenmassengehalte sind hier beispielhaft, sie können je nach Klima, Jahreszeit, Schnittzeitpunkt, usw. variieren.
Trockenmasse (TM) wird auch oft mit dem veralteten Namen Trockensubstanz (TS) bezeichnet.

Mineralstoffe: Was ist drin?

Im Normalfall benötigen ausgewachsene Pferde nur zwei Mineralstoffe zusätzlich gefüttert.

  • Na (Natrium): Dieses Mineral wird vorrangig benötigt, wenn Pferde schwitzen, da mit dem Schweiß der Pferdekörper große Mengen Natrium verliert. Wesentlich mehr als beim Menschen. Natrium wird dem Pferd durch NaCl (Natriumchlorid), also Salz zugeführt. 1 kg Salz enthält 380 g Na. Oder: Salz hat einen Natriumgehalt von 38%. Üblicherweise steht in Bedarfstabellen für das Pferd der Natriumbedarf. Für ein Sportpferd (600 kg LM) bei mittlerer Arbeit schlägt die Bedarfstabelle 57 g Na vor. In diesem Beispiel wird angenommen, dass im Futter 12 g Na bereits enthalten sind. Folglich muss 57 g Na – 12 g Na = 45 g Na durch Salz (NaCl) ausgeglichen werden. Salz enthält 38% Na oder anders gesagt: 380 g Na = 1.000 g Salz. Jetzt kommt der berühmt berüchtigte Dreisatz. 1 g Na = 1.000 g Salz ./. 380 ; 1g Na = 2,6315789 g Salz . Gesucht werden aber 45 g Na, also 2,6315789 g Salz x 45 = 118,42105 g Salz. Das Ergebnis für Dich bei der Fütterung heißt: Um 45 g Na zu füttern, benötigst Du 118 g Salz. Beim Füttern kommt es auf einen Gramm nicht an. Wenn es um kleinere Mengen Salz geht, kannst Du es im Lebensmittelhandel kaufen, achte aber darauf, dass es nicht jodiert ist! Größere Mengen kaufst Du günstig im Landhandel unter der Bezeichnung Futtersalz.
  • 1 Esslöffel Salz = 15 g Salz = 6 g Na

    1 Teelöffel Salz = 5 g Salz = 2 g Na

  • Ca (Calcium oder Kalzium): Kalzium kannst Du als Kohlensauren Kalk (CaCO3) oder als Futterkalk (CaCO3) kaufen. Futterkalk (CaCO3) enthält 36% Kalzium (Ca): 360 g Ca = 1.000 g CaCO3 oder 1 g Ca = 2,7777778 g Futterkalk. Sagt Deine Rationsberechnung, Du sollst noch 18 g Ca ergänzen, dann mache einfach folgende Rechnung: 18 x 2,7777778 g Futterkalk = 50 g Futterkalk, um 18 g Ca Deinem Pferd zuzuführen.
  • 1 Esslöffel Futterkalk = 10 g Futterkalk = 3,5 g Ca

Was ist eigentlich ein Qualitätshandbuch?

Es gibt verdeubelt viele Leute, die sich darüber aufregen, dass in Abschluss- und Meisterprüfungen doch tatsächlich Prüfer verlangen, dass Beiträge für ein Qualitätshandbuch, kurz auch Q- Handbuch, in der schriftlichen Prüfung verlangt werden.

Ob das wirklich nur Blödsinn oder einfach nur Teil einer fachgerechten Arbeit ist, das können wir hier einmal zusammen erörtern:

Immer wieder in der täglichen Arbeit gibt es Sachen, die einem gut oder weniger gut gelingen. Das ist im Betrieb und auch zuhause so. Oft werden Sachen neu ausprobiert, wiederum mit gutem oder weniger gutem Erfolg. Wenn dann aber etwas richtig gut gelingt, dann wäret Ihr und ich ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wennIhr Euch die Rezeptur, das Verfahren, das Hilfsmittel oder die hilfreiche Adresse eines Experten nicht notieren würdet: In einer Kladde, einem Ordner oder einer Datei. Und schon habt Ihr ein Qualitätshandbuch. Ein Eintrag im Qualitätshandbuch zu einer bestimmten Situation, die Euch hilft, beim nächsten Mal, vielleicht erst in einem Jahr, wiederrum erfolgreich das Problem zu lösen.

Auch ein Qualitätshandbuch: Damit die griechischen Hackbälle immer gleich gut sind, immer die selbe Qualität haben

Im Betrieb ist es das Q- Handbuch, bei Euch zuhause kann das z.B. Euer Notizbuch sein, in dem Ihr Euch besonders gut gelungene Kochrezepte eintragt oder das Büchlein mit den besten Tipps aus dem Urlaub, wie Hoteladressen, Mietwagenfirma, Buslinien, usw..

Jetzt lasst uns mal ein Pferdebeispiel aus dem Betrieb nehmen: Pferd hat Mauke. Jeder hat einen anderen Vorschlag. Was Mauke wirklich ist, das ist auch nicht so sicher und zum Schluss probieren alle irgendetwas irgendwie aus. Wenn ein Betrieb ein funktionierendes Qualitätsmanagement besitzt, dann setzen sich zu festgesetzten Terminen, z.B. jeden Mittwochnachmittag, alle im Betrieb, vom Chef bis zum Azubi, zusammen und besprechen anstehende Probleme. Hier z.B. die sehr variantenhaltige und wahrscheinlich nicht erfolgreiche Maukebehandlung. Als Ergebnis einigen sich alle Beteiligten auf ein Verfahren und auf eine weitere Besprechung darüber in zwei Wochen. Es wurde also etwas geplant (die Maukebehandlung) und es wird etwas durchgeführt (die Maukebehandlung). Nach zwei Wochen treffen sich Mittwochnachmittag alle wieder, schauen sich das Pferd an und stellen fest, dass diese Methode prima angeschlagen hat. Die Nachprüfung oder der Check hat ergeben, wie erfolgreich Mauke behandelt wurde. Die Beteiligten einigen sich (umsetzen) auch noch, dass das nötige Material, z.B. eine Salbe, Verbandmaterial, usw., beschafft und ein Mauke- Erste- Hilfe- Kasten im Stallbüro eingerichtet wird. Gleichzeitig wird festgelegt, wer jetzt „Maukebeauftragte/r“ ist. Damit dieses Wissen, die Behandlung der Mauke sowie der Inhalt des Mauke- Erste- Hilfe- Kastens nicht vergessen wird und jeder jetzige aber auch kranke oder zukünftige Mitarbeiter nachlesen kann, wie in diesem Stall die Mauke ab sofort behandelt wird, gibt es einen Eintrag im Qualitätshandbuch. Gleichzeitig mit dem möglichst leicht zu lesenden Handbuch- Eintrag wird das Inhaltsverzeichnis aktualisiert. Schließlich soll jeder Mitarbeiter den Beitrag, praktisch die Betriebsanleitung, sofort finden. Klar ist auch, dass das Q- Handbuch an einer immer gleichen, zentralen Stelle steht, damit die Mitarbeiter mal eben reinschauen können.

 

Ganz wichtig: Das Q- Handbuch ist keine langatmige Abhandlung, viel besser sind Ablaufdiagramme oder Stichworte und konkrete Hinweis, wie z.B.: Wann ist der Tierarzt zu rufen, wann der Besitzer zu informieren, usw..

 

Ein Beitrag im Q- Handbuch ist also nichts anderes als eine „Betriebsanleitung“, wie in einer bestimmten Situation, z.B. Kolikverdacht, Fütterung, Lüftung, Reinigung, Neueinsteller, Unfall, Weidedüngung, usw., zu handeln ist. Also ganz praktisch, betriebsbezogen.

 

Ein Q- Handbuch ist immer fimentypisch und zeigt, wie die Verantwortlichen ihren Betrieb geführt haben möchten. Dabei ergeben sich auch Schwerpunkte, die für Kunden von entscheidendem Interesse sind: Ist das ein nachhaltig wirtschaftender Betrieb? Ist das ein hygienisch arbeitender Betrieb? Wie werden Pferde dort ausgebildet, welchen Stellenwert besitzt der Tierschutz, ist es üblich Schlaufzügel zu benutzen, wie wird das Stallklima geführt, wie die Weiden gedüngt, wie bei Kolikverdacht vorgegangen oder welche Fütterungsphilosophie steckt dahinter? Diese Liste ist schier unendlich und das ist Eure Aufgabe im Projekt: Welche Schwerpunkte und Verfahren plant Ihr? Mit welchen Punkten wollt Ihr bei Kunden punkten und Euch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den zahlreichen Mitbewerbern schaffen bzw. kostendeckende Angebote durchsetzen?

Und ganz zum Schluss muss nun noch gesagt werden, dass die einmalige Beschäftigung, in unserem Beispiel die Mauke, natürlich nicht ausreicht, denn an einem Mittwochnachmittag, vielleicht nach einem Jahr, macht ein Kollege den Vorschlag, doch einmal etwas an der Maukebehandlung zu ändern, weil es da was erfolgversprechenderes geben soll. Also dreht sich der sog. Qualitätszirkel wiederum: planen (plan), machen und ausprobieren (do) und überprüfen (check) und umsetzen (act). Das Ergebnis kann sein, dass der alte Q- Handbucheintrag so bleibt wie er war, oder aber verändert, verbessert wird. Und siehe da, im Betrieb gibt es ein funktionierendes Qualitätsmanagement mit einem ständig „drehenden“ Qualitätszyklus: Lebenslanges Lernen!

 

Es gibt einen weiteren Vorteil eines Qualitätshandbuches. Daher kommt der Name Qualität im Handbuch: Wenn sich alle Mitarbeiter an das Qualitätshandbuch halten, dann wird, wir bleiben bei unserem Beispiel, jede Mauke von jedem Mitarbeiter im Stall, vom Chef bis zur Aushilfe, in derselben Qualität behandelt. So wie es der Betrieb seinen Kunden versprechen und mit diesem Versprechen auch Werbung machen kann. Dabei ist Qualität nicht gleichbedeutend mit gut. Wenn sich ein Betrieb auf einen schlechten Standard im Q- Handbuch geeinigt hat, dann stimmt zwar die versprochene Qualität, das muss noch lange nicht gut, sachgerecht, erfolgreich und kundenorientiert sein. In diesem Sinne ist das Q- Handbuch DIE Visitenkarte eines Pferdebetriebes. Ihr als zukünftige Führungskräfte könnt es sein, die die Verantwortung für die Inhalte und die Ausrichtung eines Q- Handbuches tragt.

Betriebsabläufe in einem Q-Handbuch können ideal als Ablaufdiagramm gestaltet werden. Hier üben Azubis das Verfahren.
Ein Ablaufdiagramm macht die Entwurmungsstrategie eines Betriebes rasch deutlich und ist die „Gebrauchsanweisung“ für alle Mitarbeiter. Ablaufdiagramme haben den Vorteil, dass sie wesentlich besser und schneller die Mitarbeiter informieren, als langatmige Texte. Ihr könnt ein Ablaufdiagramm mit der Hand zeichnen oder aber mit ganz vielen Computerprogrammen. Die passenden Formen und Pfeile findet Ihr in fast allen Programmen.

Und warum sollen nun Azubis Beiträge für ein Q- Handbuch schreiben? Ganz einfach: Anstelle irgendwelche Wochen- und Erfahrungsberichte abzuschreiben, macht es viel mehr Sinn, Azubis mit in den Betrieb einzubinden und sie mit einer sinnvollen Tätigkeit, die dem gesamten Betrieb zu Gute kommt, lernen zu lassen. Nicht Bulimielernen sondern handlungsorientiert Aufgaben lösen. Und so ganz nebenbei ist dieses verantwortliche Lernen eine Wertschätzung der Chefs bzw. Führungskräfte für die Mitarbeiter. Mal richtig Verantwortung übernehmen, gefordert sein und nicht nur tägliches, abstumpfendes Misten. Und nur zufriedene Mitarbeiter bringen einen Betrieb weiter. Und zu Euch als zukünftige Führungskräfte: Chefs scheitern an ihren Mitarbeiter. Pflegt sie, lasst sie nicht nur misten.

Die „neue“ Fütterung ab 2015

Lebenslanges Lernen gilt auch für altgediente Fütterungsexperten: 2015 wurde das System zur Futtermittelbewertung den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft angepasst und demzufolge das alte System umgestellt. Wer  von Euch auf der Höhe der Zeit und der Wissenschaft ist, benutzt nur noch das neue System. Diejenigen von Euch die immer noch an dem alten System kleben, dokumentieren, dass lebenslanges Lernen nicht ganz ernst genommen wird. Ihr seid am Anfang Euerer Karriere als Führungspersönlichkeit, nicht kurz vor der Rente!

Die „neue“ Fütterung ab 2015

  1. Die Proteinbewertung ist von verdauliches Rohprotein auf dünndarm- verdauliches Rohprotein (wiss.: präcecal verdauliches Rohprotein (pcvRp))umgestellt): vRp in Gramm → pcvRp in Gramm
  2. Die Energiebewertung ist ebenfalls umgestellt von verdaulicher Energie zu umsetzbarer Energie (wiss.: Metabolische Energie): vE in Megajoule → ME in Megajoule
  3. Es bleiben annähernd die üblichen Faustzahlen

Erhaltung: pcvRp : ME = 6 : 1

 Laktation: pcvRp : ME = 8,5 : 1

Jährling: pcvRp : ME = 7 : 1

Ca:P= 2:1

Raufutter: mind. 2 (besser 2,3) kg/100kg LM/d ; Trockenmasse: 2-3 %/kg LM/d

Energiebedarf ausgewachsenes Großpferd mit 600 kg Lebendmasse:

Erhaltung 70MJ, leichte Arbeit 80MJ, mittlere Arbeit 100MJ, schwere Arbeit 120MJ, sehr schwere Arbeit 140MJ

 

ausgewählte Futtermittel dvRp (g) im original Futtermittel ME (MJ) im original Futtermittel
Weide v.d. Ä. 28 1,6
Weide i. Ä. 27 1,7
Weide 2. A. 29 1,5
Heu v.d. Ä. 74 8,1
Heu i. Ä. 60 7,2
Heu 2. A. 49 5,1
Grassilage früh 116 2,4
Grassilage Sommer 35 2,1
Grassilage Sommer überständig 21 2,2
Stroh 4 3,8
Hafer 79 10,5
Gerste 87 11,9
Mais 79 12,8
Sojaextraktionsschrot 343 10,9
Trockenschnitzel 61 10,7
Pflanzenöl 0 38,4
Weizenkleie 99 8,3
Möhren 4 1,2
Werte sind lediglich Anhaltswerte und können regional, saisonal und anbaubedingt stark variieren.

Alle Daten findet Ihr hier:

Metabolische Lebendmasse?

Die Metabolische Lebendmasse beschreibt den Energiebedarf des Pferdes wesentlich genauer als die „normale“ Lebendmasse.

Um die Metabolische Lebendmasse zu erklären, zunächst ein Vergleich:

1 kg Brot hat weniger Kruste als 1 kg Brötchen.

Das bedeutet, dass kleinere Körper im Verhältnis mehr Oberfläche haben, als große Körper. Also haben Brötchen mehr Kruste als Brot. Das gilt auch für Tiere und natürlich auch Pferde. Kleine Pferde haben im Verhältnis mehr Oberfläche als große Pferde. Ganz korrekt ausgedrückt haben 100 kg Fohlen deutlich mehr Oberfläche als 100 kg ausgewachsenes Sportpferd. Das hat Folgen: Das Fohlen hat mehr Oberfläche und gibt mehr Wärme an die Umgebung ab. Um nicht zu frieren, benötigt das Fohlen mehr Energie als seine Mutter. Wieder ganz korrekt: 100 kg Fohlen benötigt deutlicher Energie als 100 kg Mutter, müssen also mehr Nahrung aufnehmen als die Mutter.

Das kennt Ihr aber eigentlich: Fohlen sind deutlich empfindlicher gegenüber einem Wärmeverlust als ihre Mutter, sie frieren leichter. Übrigens: Das ist der Grund, warum Fohlen meist dunkel geboren werden, weil die Sonne dunkle Körper stärker erwärmt als helle Körper. Wie beim Auto. Erst wenn die Tiere größer werden und die Hautoberfläche verhältnisgemäß geringer, kann sich ein Schimmel leisten, weiß zu werden, ohne zu frieren.

Das mit der metabolischen Lebendmasse gilt auch für andere Lebewesen. So fressen 1 Tonne Mäuse mehr als 1 Tonne Elefant. Klar, die vielen Mäuse haben, zusammengerechnet, eine sehr viel größere Körperoberfläche als 1 Elefant.

Jetzt wisst Ihr, warum die metabolische Lebendmasse und die daraus errechneten Bedarfszahlen notwendig ist. Auch deshalb heißt die Energie jetzt Metabolische Energie (ME).

Wie kommt man/frau zur Metabolischen Lebendmasse? Mit dem Taschenrechner: Metabolische Lebendmasse = Lebendmasse hoch 0,75. (ich kann das hoch 0,75 nicht anders schreiben hier im Text, es ist genau so wie LM², nur eben nicht 2, sondern 0,75)